AdBlue® ist eine Harnstofflösung höchster Reinheit, deren Qualität in DIN 70070 festgelegt ist. Sie basiert auf synthetisch hergestelltem Harnstoff, ist farb- und geruchlos und ist weder Gefahrstoff noch Gefahrgut.
Mit Hilfe von AdBlue® werden auf chemischen Weg schädliche Stickoxide, die bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff entstehen, nachmotorisch in Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt. Diese Technologie ist als SCR-Abgasnachbehandlung bekannt und wird angewendet, um die von der EU erlassenen Schadstoffrichtlinien für Nutzfahrzeugabgase EURO 4 und EURO 5 zu erfüllen.
„AdBlue“ ist ein Kunstname, der in einer interdisziplinären internationalen Arbeitsgruppe des Verbandes der Automobilindustrie e.V. (VDA) kreiert wurde. AdBlue® ist eine eingetragene Marke des VDA mit weltweitem Schutzrecht. Das Recht zur Nutzung kann durch Lizenznahme erworben werden.
Derzeit konkurrieren zwei Technologien zur Erfüllung der Schadstoffrichtlinien EURO 4 und EURO 5 für Nutzfahrzeuge, die gekühlte Abgasrückführung (AGR) und die SCR-Abgasnachbehandlung (SCR=selective catalytic reduction). Während mit AGR bisher nur EURO 4 erreicht wird, kann mit SCR sowohl EURO 4 als auch EURO 5 sicher erfüllt werden. Auch für noch strengere Richtlinien (z. B. EPA 10 in den USA oder einer bereits in Diskussion befindlichen EURO 6) wird SCR die Basistechnologie sein.
EURO 4 gilt ab 1. Oktober 2005 und EURO 5 ab 1. Oktober 2008. Nach einjähriger Übergangszeit werden dann Neufahrzeuge in den Ländern, in denen die Abgasrichtlinien gelten, nur noch zugelassen, wenn sie diese Richtlinien erfüllen.
DaimlerChrysler hat im 1.Quartal 2005 mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge im Rahmen des BlueTec-Programmes begonnen. Weitere Nutzfahrzeughersteller wie IVECO, DAF und VOLVO haben den Lieferstart im Laufe des Jahres 2005 angekündigt. RENAULT VI wird spätestens im Herbst 2006 folgen.
MAN und SCANIA werden zunächst Fahrzeuge für EURO 4 mit AGR anbieten aber rechtzeitig zu EURO 5 ebenfalls Fahrzeuge mit SCR in ihr Programm aufnehmen.
In Japan hat NISSAN DIESEL die Produktion von Fahrzeugen mit SCR-Technik gestartet.
Die namhaften europäischen Harnstoffproduzenten haben mit Vertriebspartnern ein flächendeckendes Distributionsnetz aufgebaut.
Ein Partner der SKW Piesteritz ist die KRUSE KG, die in Deutschland und weiteren europäischen Ländern über eigene Niederlassungen bzw. mit Kooperationspartnern ein Versorgungsnetz unterhält, über das neben AdBlue® auch ein umfangreiches Sortiment an Betankungsequipment angeboten wird. Durch individuelle Beratung ist eine auf den Kunden zugeschnittene spezielle Versorgungslösung gewährleistet.
In Deutschland wird die Versorgung zunächst vorwiegend über Betriebshöfe der Fahrzeughalter erfolgen. Große Mineralölgesellschaften stehen erst am Anfang des Aufbaus einer Infrastruktur im Bereich öffentlicher Tankstellen.
Um diesen Fall weitestgehend auszuschließen wurden konstruktive Maßnahmen an der Schnittstelle AdBlue®-Tank/Zapfpistole vorgenommen. Die AdBlue®-Zapfpistole ist im Durchmesser kleiner als eine Diesel-Zapfpistole. Damit wird verhindert, dass Diesel in den AdBlue®-Tank gelangt.
In der AdBlue®-Tanköffnung befindet sich ein Magnetring, der den Betrieb der Zapfsäule erst bei eingehängter Zapfpistole freischaltet. Dieses System wird allerdings nur im Bereich öffentlicher Tankstellen bzw. bei Betrieb von Minibulk-Anlagen angewendet. Einfache Betankungssysteme, bestehend aus IBC, Pumpe, Mengenzähler und Zapfpistole verfügen derzeit nicht über eine solche Sicherung.
Optimale Lagertemperaturen liegen im Bereich –5°C bis +25°C. Unter diesen Bedingungen ist eine Lagerung ohne Qualitätsverlust von mindestens 1 Jahr möglich.
Der Gefrierpunkt (Kristallbildung) von AdBlue® liegt bei –11°C. Lagertemperaturen oberhalb von 30°C führen zur Hydrolyse, d. h. Aufspaltung des Harnstoffs in Ammoniak und Kohlendioxid. Die Geschwindigkeit dieses Vorganges steigt mit der Temperatur an.
Unproblematisch ist der Kontakt von AdBlue® mit Edelstählen und Kunststoffen.
Grundsätzlich zu vermeiden ist der Kontakt mit Kupfer, Zink sowie deren Legierungen. Auch Aluminium ist als kritisch zu betrachten. Mit diesen Elementen kontaminiertes AdBlue® führt zu Schädigungen des Katalysators.
Analog zur Kraftstoffanzeige gibt es auch eine AdBlue®-Tankanzeige, über die der Füllstand im Tank kontrolliert werden kann. Der AdBlue®-Tank ist vorwiegend so ausgelegt, dass bei jedem Dieseltanken auch AdBlue® nachgetankt werden muss. Mit leerem AdBlue®-Tank fährt das Fahrzeug weiter, erfüllt dann aber nicht mehr EURO 4 bzw. EURO 5. Spätestens ab EURO 5 wird im Fahrzeug auch ein OBD-Gerät (on board diagnostic) installiert sein, worüber die einwandfreie Funktion der SCR-Technik kontrolliert wird.
Mögliche Verwarn- oder Bußgelder für den Nachweis des nicht ordnungsgemäßen Betriebs der SCR-Technik befinden sich in der Diskussion. Auch technische Möglichkeiten, z. B. Reduzierung der Motorleistung bzw. eine beschränkte Reichweite ohne Funktionieren der SCR-Technik sind denkbar.
Um solchen Situationen vorzubeugen, empfiehlt sich bis zum Vorhandensein eines flächendeckenden öffentlichen Tankstellennetzes, das Mitführen eines Ersatzkanisters. Mit 10 l AdBlue® können ca. 500 km Fahrstrecke zurückgelegt werden.
Vorteile der SCR-Technik
Nachteile der SCR-Technik
Ja, sofern für das Fahrzeug keine Einschränkung hinsichtlich der Verwendung von Biodiesel vorliegt. Der Verbrauch an AdBlue® kann höher als bei Verwendung herkömmlichen Diesel-Kraftstoffes sein. Grund hierfür ist, dass die Verbrennungstemperatur im Motor bei Biodiesel höher ist und dadurch mehr Stickoxide entstehen, die dann wiederum reduziert werden müssen.
Für EURO 4-Fahrzeuge wird ein AdBlue®-Verbrauch von ca. 4 % und bei EURO 5-Fahrzeugen von ca. 6 % des Dieselverbrauches angegeben.
Nein. Mit der SCR-Technik wurden gleichzeitig neue auf diese Technik abgestimmte Motoren entwickelt. Diese sind leistungsoptimiert bei gleichzeitig niedrigerem Kraftstoffbedarf. Es werden bewusst mehr Stickoxide erzeugt, dafür aber die Partikelbildung reduziert. In Fahrzeugen vorhergehender Generationen fehlt außerdem der Platz für die SCR-Technik (AdBlue®-Tank, SCR-Kat usw.).
Technisch ist eine Nachrüstung möglich aber wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Neben dem Einbau eines größeren Katalysators ist auch die elektronische Steuerung anzupassen. Außerdem muss eine OBD nachgerüstet werden.
Peer Pröhl
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